4. Europäisches Buren- und Ziegenzüchtertreffen am 23. und 24. Mai im Saarland

 

Die Voraussetzungen für ein Gelingen des Ziegenzüchtertreffens in Bubach im Ostertal in der Nähe von St. Wendel waren gegeben. Die Schirmherrschaft hatte der saarländische Umweltminister Stefan Mörsdorf übernommen. Bei bestem Wetter konnten die Organisatoren vom Saarländischen Verband der Schaf- und Ziegenhalter, allen voran Frau Heike Müller, über 70 Teilnehmer aus Deutschland und dem benachbarten Ausland begrüßen. Der Samstagnachmittag stand ganz im Zeichen der Burenziegen. Erste Station war der Betrieb von Rosalinde und Ernst Brill (www.brill-online.com). Obwohl Familie Brill erst seit wenigen Jahren Burenziegen züchtet, konnten sie hervorragende Tiere auf den hofnahen Weiden vorzeigen. Mit viel Engagement erklärten sie alles Wesentliche zu Ihrer Zucht von der Geburt der Lämmer bis zum Verkauf der Zuchttiere.

Heike Müller (www.burenziegen-mueller.de) führte anschließend die Züchter zu Ihren Burenziegen, mit denen sie seit 2001 Landschaftspflege in den Bubacher Streuobstwiesen betreibt. 30 Burenziegen und 15 Dörper Schafe weiden zwischen den Obstbäumen. Das Weideprojekt wird fachlich unterstützt vom Bund Naturschutz Ostertal. Auch sie stellte hervorragende Burenziegen vor. Neben Zuchttieren vermarktet Frau Müller verschiedene Wurstsorten aus Ziegenfleisch.

 

Der Tag ging mit dem Züchterabend zu Ende. Umweltminister Mörsdorf wies in seinem Grußwort auf die wachsende Bedeutung der Ziegenhaltung in der Pflege der Kulturlandschaft hin. Das Fachreferat wurde von Frau Christel Simantke von der Bauberatung artgerechte Tierhaltung (BAT), Witzenhausen  (WWW.BAT.de)  gehalten. Ihr Thema war die „Ziegengerechte Ausgestaltung von Ställen“. Neben ausreichender Liegefläche sind ein Fressplatz pro Tier oder auch Rückzugsmöglichkeiten, wie Liegenischen, notwendig. Ziegen benötigen einen ausreichend großen, strukturierten, hellen und gut durchlüfteten Stall. Im Anschluß gab Herr Anton Schmitt, Geschäftsführer des Saarländischen Verbands der Schaf- und Ziegenhalter, einen kurzen Überblick über die Bedeutung der Ziegenhaltung im Saarland einst und jetzt. Zur Zeit stehen bei 360 Ziegenhalter ca. 3000 Ziegen. Im Landesverband sind 35 reine Ziegenhalter organisiert, betreut werden 8 Rassen.

 

Der Sonntag stand im Zeichen der Milchziegen. Am Vormittag wurde der Martinshof (Kempf & Philipczyk GbR, www.martinshof.de) in St. Wendel - Osterbrücken besucht. Zu der Besuchergruppe stieß die Vorsitzende des Bundesverbands Deutscher Ziegenzüchter, Frau Ulrike Höfken, MdB und Vorsitzende des Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. In ihrem Grußwort würdigte Frau Höfken die Leistungen der Ziegen zur Erhaltung der Kulturlandschaft und der Produktion von gesunden Nahrungsmitteln. Gleichzeitig machte sie auf Probleme, mit denen die Ziegenhalter aufgrund von EU-Richtlinien konfrontiert werden, aufmerksam. Die Einführung der elektronischen Tierkennzeichnung nannte sie als Beispiel. Probleme ergeben sich auch aus der Beweidung von mit Dioxin belasteten Weiden. Dafür können die Schaf- und Ziegenhalter nichts, werden aber von der Politik alleine gelassen.

Anschließend führte Herr Dr. Dietrich Philipczyk die aus Nah und Fern angereisten Ziegenzüchter über den Hof und erklärte die Arbeitsweise des ökologischen Landbaus. Seit seiner Gründung 1986 durch Familie Monika und Gerhard Kempf wirtschaftet der Martinshof nach den Richtlinien des Biolandverbandes. Über 220 Ziegen der Rassen Weiße und Bunte Deutsche Edelziegen und eine kleine Mutterkuhherde werden in mit Stroh eingestreuten Laufställen gehalten und haben im Sommer Weidegang. Das Futter für die Tiere wird unter Verzicht von chemischen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln auf inzwischen über 130 ha Acker- und Grünland angebaut. Es wird auf eine vielfältige Fruchtfolge zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit geachtet. Die Ziegenmilch wird in der hofeigenen Molkerei hauptsächlich zu Quark und Joghurt verarbeitet.

Neben der Landwirtschaft befinden sich unter dem Dach des Martinshofes eine Metzgerei, ein Stadtladen und ein Lieferservice. Der Martinshof ist Verarbeitungs- und Vermarktungshof für viele Biolandhöfe aus der Region und bietet zahlreiche Arbeits- sowie drei Ausbildungsplätze.  Für sein umfassendes Engagement wurde der Martinshof vom Bundesministerium für Landwirtschaft- und Verbraucherschutz 2007 mit dem 1. Preis des „Förderpreis ökologischer Landbau“ ausgezeichnet.

 

Als zweiter Milchziegenbetrieb wurde der Biolandhof von Ulrike und Roland Stichlmeir (www.erdesbacher-ziegenkaese.de) in Erdesbach bei Kusel besucht. Familie Stichlmeir hält über 120 Bunte Deutsche Edelziegen mit einem durch die Einkreuzung von französischen Böcken deutlich dunklem Einschlag. Aus der Ziegenmilch produzieren sie in ihrer Käserei mit viel handwerklichem Geschick eine Fülle verschiedener schmackhafter Ziegenkäse. Im Anschluss an die Hofführung fand eine Käseverkostung statt, und die Ziegenzüchter erhielten Gelegenheit im Hofladen einzukaufen.

Insgesamt war das Treffen eine gelungene Veranstaltung mit vielen neuen Anregungen und reichhaltigem Diskussionsstoff. Das nächste Ziegenzüchtertreffen soll 2010 in Hessen stattfinden.